19.06.2020

Weniger Plastikmüll auf städtischen Festen

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, meine Damen und Herren, liebe SPD,

eine Bemerkung zu Beginn: Es wunderte mich schon, dass die SPD einen Antrag zum Thema Plastikreduzierung eingereicht hat, denn meiner Erinnerung nach wurde bei der Beratung unseres Antrags im Januar sehr vollmundig von SPD-Seite verkündet, dass unser Antrag totaler Blödsinn ist, da unser Anliegen doch schon seit Jahren umgesetzt wird. Schön, dass wir uns nun -nach einer Denkpause der SPD- einig sind, Plastik reduzieren zu wollen.

Dagegen kann man schlecht was haben, denke und dachte ich immer. Bevor unser Antrag im Januar hier im Parlament beraten wurde haben wir Grünen uns intensiv mit dem Thema befasst. Unter anderem haben wir uns mit der Stabsstelle „Nachhaltige Strategien“ in Hanau unterhalten, die eben in Hanau das Thema "Plastikvermeidung" sehr intensiv bearbeitet. In unserer Nachbarstadt wurde das Lamboyfest im letzten Jahr zum ersten Mal plastikfrei gefeiert. Zwei Sachen habe ich bei diesem Gespräch gelernt:

Plastik zu reduzieren ist keine einfache Sache, deshalb gibt es leider, leider! keine einfachen Lösungen. Und: die Hanauer haben zu Beginn ihrer Kampagne den Vereinen sogar Hilfe auch mit Geld angeboten. Ergebnis: Kein einziger Verein hat dies in Anspruch genommen. Und deshalb zu Punkt 1 des Antrags: Natürlich können und sollen Vereine überall unterstützt werden so gut es geht. Gerne kann die Verwaltung dazu Vorschläge machen. Aber wie bereits gesagt, bei unseren Gesprächen mit Vereinen, mit der Stabstelle in Hanau und anderen haben wir festgestellt, dass die Vereine selbst meist bessere und passendere Lösungen für sich finden, als wenn jemand von außen ihnen Vorschläge macht.

Aber lassen wir uns überraschen, vielleicht gibt es ja noch pfiffige, unentdeckte Ideen, die weiterhelfen. Bei Punkt 2 des Antrags sind wir uns einig, dass "Coffee-to-go"-Einweg-Becher ein echtes Müllproblem sind und somit gerade uns Grünen ein Dorn im Auge sind. Hinweisen möchte ich darauf, dass der angesprochene II-A-Bericht offenbar auch den Ordnungsdezernenten nicht hat ruhen lassen und deshalb kümmert er sich bereits seit einiger Zeit um eine interkommunale Lösung und hofft uns bald etwas vorschlagen zu können. Insofern stimmen wir auch hier gerne zu.

Ein Problem sehen wir aber in Punkt 3, der unseren im Januar beschlossenen Antrag ergänzen soll. Ein bisschen habe ich mich gewundert, weil dieser Punkt in der Begründung gar nicht auftaucht. Gewerbliche Anbieter sollen nicht nur Mehrweggeschirr, sondern auch kompostierbares Geschirr und Besteck nutzen können. Kompostierbares Geschirr ist – aus unserer Sicht – ein Zwischenschritt und meistens eine Mogelpackung, oft ist er gar nicht so richtig kompostierbar. Uns geht es aber um mehr: Denn Plastikmüll durch anderen Müll zu ersetzen ist sicherlich besser, aber weiterhin nicht gut, denn es bleibt ja Müll. Wir sehen auch keinen vernünftigen Grund, warum ein gewerblicher Anbieter es nicht hinkriegen soll Mehrweggeschirr zu verwenden. Vielleicht haben sie deshalb diesen Punkt auch nicht begründet. Punkt 3 lehnen wir daher ab.

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