09.05.2018

Nicht noch eine Kampagne

Foto: Mann tritt in Kaugummi

Rede zum SPD-Antrag "Müllbelastung an vielbesuchten Freizeitplätzen auch an den Wochenenden" von Tobias Dondelinger im Stadtparlament

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, sehr geehrte Damen und Herren,

ich muss es zugeben, es ist ein irgendwie rührender und symphatischer Zug der SPD, dass Ihnen die Sauberkeit und Gepflegtheit der öffentlichen Anlagen so sehr am Herzen liegt, dass Sie bei den ersten Anzeichen von Müllanarchie schon auf der Palme sind. Dass herumflatternder Plastikmüll schlimmstenfalls irgendwann in irgendwelchen Müllstrudeln in den Weltmeeren landet oder per Seefisch wieder auf unserem Teller, stimmt auch. Und wir freuen uns, dass Sie sich darum Gedanken machen.

Aber, liebe SPD, ich finde Sie sollten der Verwaltung und dem Stadtkonzern, wo viele gute, engagierte und besonnene Leute arbeiten, auch mal was zutrauen. Das ist ja schließlich deren Job und den machen sie auch gut und deswegen wurden mittlerweile sowohl seitens der ESO, als auch seitens des Ordnungsamts Maßnahmen ergriffen, dass sich so ein Bild in Zukunft nicht nochmal bietet.

ESO macht ihren Job, und den macht sie gut.

Zu Ihrem Vorschlag, der Sauberkeitbeauftragten solle eine Kampagne machen, damit die Leute ihren Müll wieder mitnehmen, zwei kurze Bemerkungen: Einerseits macht auch der Sauberkeitsbeauftragte, natürlich seinen Job. Deshalb schaut er sich selbstverständlich die Situation am Mainufer an und wird, wo möglich, Prozesse optimieren und somit in den Strukturen nachhaltig dafür sorgen, dass es beim nächsten Schön-Wetter-Wochenende weniger Anlass zur Aufregung gibt. Allerdings finde ich die Idee, den Müll mit einer Kampagne zu bekämpfen etwas an der Sache vorbei: Wie sagte eine Fraktionskollegin in anderem Kontext kürzlich so schön: „Die, die wir erreichen müssten, kriegen wir nicht, da hilft es auch nicht, die Xte Kampagne zu einem Thema zu machen.“ Stimmt! Lassen wir den Sauberkeitsbeauftragten doch einfach seine Arbeit machen, das macht mehr Sinn.

Achja, noch ganz kurz zu Ihrem Wunsch, der Sauberkeitsbeauftragte möge über seine Arbeit berichten: Das verwundert mich jetzt ein bisschen. Das hat er schließlich vor wenigen Monaten erst vor dem öffentlich tagenden Ausschuss HFB getan. Und ich bin sicher, zu einem gegebenen Zeitpunkt, der Sinn macht, wird er das gerne wieder tun. Aber die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit einer engmaschigen Quartalsberichterstattung erschließt sich mir hier nicht. Wie gesagt: Lassen Sie doch die Leute ihre Arbeit machen!

Konstruierte Probleme

Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass ich diesen Antrag nicht nur kritisch sehe, weil er überflüssiges Papier produziert und die involvierten Akteure eher von der Arbeit abhält, als irgendein Problem zu beheben. Nein, darüber hinaus werden hier Probleme konstruiert, wo wir uns eigentlich freuen müssten.

Wir sollten stolz sein, dass wir unser Mainufer so schön und so einladend hingekriegt haben, dass es Menschen aus allen Teilen der Stadtgesellschaft ein wertvoller Erholungs- und Aufenthaltsraum ist. Und natürlich: Wenn es vielen Leuten gut gefällt und die gerne und lange dort sind, dann hat das Nebenerscheinungen, dann entstehen Geräusche, Gerüche und eben auch Müll.

Vielleicht hat der eine oder die andere von Ihnen schonmal bei sich zuhause ein größeres Fest mit vielen Gästen gegeben. Sie freuen sich, wenn viele kommen und wenn sie sich wohlfühlen und lange bleiben. Und normalerweise schauen Sie sich am Ende des Abends um, denken,: „Ohjeh, da ist aber noch einiges zu tun“ und dann gehen sehr müde ins Bett. Und nachdem Sie dann ausgeschlafen haben, fangen Sie an aufzuräumen und sauberzumachen. Das dauert und ist anstrengend und wenn dann noch jemand vorbeikommt, eh Sie fertig sind mit aufräumen und saubermachen, dann machen Sie sich vielleicht sogar Gedanken darum, was der jetzt für einen Eindruck von ihnen hat.

Aber: Alles gut! Wir alle kennen das, wir wissen wie das ist und wir wissen, dass die Folgen eines guten Festes nicht von alleine verschwinden. Also verlangen Sie doch nicht von der Stadt Offenbach mehr, als sie von sich selbst verlangen würden. Freuen Sie sich einfach, wenn wir Orte haben, an denen sich die Offenbacherinnen und Offenbacher gerne aufhalten und gerne verweilen. Und für die Folgen: Da lassen sie doch einfach die Mitarbeitenden der Stadt ihre Arbeit tun.

Wir wollen die Leute arbeiten lassen und lehnen Ihren Antrag deshalb ab.

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